Ein klassisches Wohnmobil: die Freude am Reisen und am Projekt

Manche Fahrzeuge begeistern gerade deshalb, weil sie schon viele Jahre hinter sich haben. Bewährte Technik, hohe Laufleistungen und die Aussicht, mit guter Pflege noch lange unterwegs sein zu können, machen ihren Reiz aus. Aus dieser Begeisterung entstand auch der Wunsch nach einem klassischen Wohnmobil – und schließlich die Entscheidung für den Carthago M-Liner.

Hohe Kilometerstände hatten auf seinen späteren Besitzer schon immer eher eine faszinierende als eine abschreckende Wirkung. Fahrzeuge zu pflegen, zu warten und möglichst lange gebrauchsfähig zu halten, gehörte für ihn selbstverständlich dazu.

Beim eigenen Wohnmobil sollte es ähnlich sein. Die Vorstellung stand schon lange fest: Mit dem näher rückenden Ruhestand sollte ein großes, älteres Fahrzeug einziehen. Der Preis war dabei nicht der Grund für die Vorliebe für einen Klassiker. Während die Frau eher neuere und kleinere Wohnmobile bevorzugte, waren für ihn Größe und klassischer Charakter gesetzt.

Lange ging der Wunsch sogar noch eine Nummer weiter: Ein Wohnmobil auf Lkw-Basis sollte es werden. Dafür hatte er seine Fahrerlaubnis der Klassen BCE über die Jahre erhalten und regelmäßig die vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen absolviert. Die Möglichkeit, einen solchen Wagen fahren zu dürfen, sollte offenbleiben.

Warum es schließlich ein Sprinter wurde

Bei der Suche bekam die Vorstellung vom großen Lkw-Wohnmobil dann einen realistischeren Rahmen. Fahrzeuge in einem ähnlichen Alter wie der spätere M-Liner waren deutlich teurer. Was ins vorgesehene Budget passte, hatte dagegen häufig noch einmal zehn bis fünfzehn Jahre mehr hinter sich.

Die Begeisterung für ältere Technik war vorhanden. Doch mit einer nochmals deutlich älteren Basis wären Wartung und Instandsetzung aufwendiger geworden. Auch die Ersatzteilversorgung spielte eine Rolle: Ein Fahrzeug lange erhalten zu wollen, ist das eine. Die nötigen Teile dafür zuverlässig beschaffen zu können, gehört ebenso dazu.

Hinzu kamen die damals stark steigenden Treibstoffkosten. Wer viel und weit reisen möchte, merkt den Unterschied zwischen kalkulierten 15 und 25 Litern auf 100 Kilometer deutlich.

Der Sprinter bot deshalb die passendere Grundlage für das Vorhaben. Der M-Liner hatte beim Kauf rund 67.000 Kilometer auf dem Tacho – ein Stand, der auf viele weitere Reisen hoffen ließ. Denn darum ging es von Anfang an: viel erleben, unterwegs sein und entsprechend viele Kilometer zurücklegen.

Ein Wohnmobil, an dem die eigene Arbeit mitreist

Mit einem klassischen Wohnmobil beginnt auch ein Projekt. Das muss einem liegen, und darüber sollte vor dem Kauf Klarheit bestehen.

Die Zeit und Energie, die in ein solches Fahrzeug fließen, verändern nach und nach die Beziehung dazu. Mit jeder Reparatur, jeder Überarbeitung und jeder gelungenen Verbesserung wächst die Verbundenheit. Auf Reisen ist dann immer auch ein Stück der eigenen Arbeit dabei.

Beim M-Liner fanden sich schnell Mitstreiter im Freundes- und Bekanntenkreis. Einer brachte sein Wissen rund um den alten OM612 ein, ein anderer half bei der Renovierung des Innenraums. Unterhaltungselektronik und Navigation übernahm der Besitzer selbst – dort kannte er sich aus.

Auch darin liegt ein Teil der Freude an diesem Fahrzeug. Gemeinsam etwas voranzubringen, Erfahrungen auszutauschen und Lösungen zu finden, bereichert das Projekt. Das gilt ebenso für den Austausch in den verschiedenen Communities.

Geld war eingeplant – die Zeit wurde unterschätzt

Dass nach dem Kauf weitere Ausgaben folgen würden, war von Anfang an klar. Eine lieb gewonnene Baustelle bleibt auch eine dauerhafte Investition. Mit dem Erwerb des Fahrzeugs war das Geldausgeben also keineswegs abgeschlossen.

Weniger klar war, wie viel Zeit das Ganze beanspruchen würde. Ein älteres Wohnmobil nach den eigenen Vorstellungen herzurichten, lässt sich nicht nebenbei an ein paar freien Nachmittagen erledigen. Der Gesamtaufwand bemisst sich eher in Wochen und Monaten als in Stunden oder Tagen.

Dabei geht es auch um die vielen Dinge, die besser, schöner oder praktischer werden sollen. Sie machen einen guten Teil des Projekts aus – und brauchen jeweils ihre Zeit. Wer Freude daran haben möchte, muss diesen Raum im Alltag auch tatsächlich haben.

Wohin mit fast neun Metern Wohnmobil?

Eine Überraschung wartete bei einem zunächst unscheinbaren Thema: dem Stellplatz. Ein fast neun Meter langes Wohnmobil lässt sich eben nicht mal schnell irgendwo unterbringen.

Für den Werterhalt sollte der Liner geschützt stehen. Der naheliegende Gedanke an einen Unterstellplatz beim Bauern erwies sich jedoch als schwieriger als erwartet. Wo ein Wohnwagen oder Kastenwagen problemlos in eine Scheune rangiert werden kann, passt ein Liner noch lange nicht hinein. Und selbst bei ausreichender Fläche muss das Tor erst einmal rund 3,5 Meter Durchfahrtshöhe bieten.

Schließlich fand sich eine ehemalige Industriehalle, die inzwischen zum Unterstellen von Wohnmobilen genutzt wird. Ein Glücksfall für das Fahrzeug, allerdings verbunden mit Stellplatzkosten, deren Höhe vorher so nicht eingeplant worden war.

Die Freude ist geblieben

Bereut wurde der Einstieg in das Projekt bislang nicht. Die nächsten Arbeiten am M-Liner werden ebenso mit Freude erwartet wie die nächsten Reisen. Beides gehört inzwischen zusammen.

Der Wunsch nach einem großen, klassischen Wohnmobil hat sich erfüllt. Dazu kamen mehr Arbeit und manche Kosten, die vorher nicht richtig eingeschätzt worden waren. Die Freude am Fahrzeug ist trotzdem geblieben – auch weil es mit jeder eigenen Arbeit ein Stück vertrauter wird.

Ganz ohne Fehler lief der Kauf allerdings nicht. Einige entstanden schlicht aus fehlender Erfahrung. Welche das waren und was sich daraus lernen lässt, wird Thema eines der nächsten Beiträge.